IVF und ICSI – sollten Paare es nur bei „männlichem Faktor“ anwenden? | #IVFANSWERS
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IVF und ICSI – sollten Paare es nur bei „männlichem Faktor“ anwenden?

Intrazytoplasmatische Spermieninjektion.Warum sollte man ICSI anwenden? Wird es nur Paaren mit männlichem Faktor geraten? #IVFANSWERS

Intrazytoplasmatische Spermieninjektion.Warum sollte man ICSI anwenden?

Darunter finden Sie 3 aufgezeichnete Antworten von 3 IVF Experten.


Antworten von Dr Muriel

Dr Carolina Alonso Muriel , URE Gutenberg Centre Reproduction Unit, Spanien

In Vitro Fertilisation (IVF) ist die häufigste Methode der künstlich reproduktiven Technologie (ART). Es wird im Labor durchgeführt und involviert die Gewinnung der Eizellen aus den Eierstöcken der Frau und die Befruchtung mit dem Samen, um Embryonen zu produzieren. Wenn diese befruchtet sind, werden eine begrenzte Anzahl Embryonen in die Gebärmutter der Frau übertragen, so dass sich diese weiter natürlich entwickeln können.

Die Insemination der Eizellen kann auch durch andere bekannte Befruchtungsmethoden ausgeführt werden oder durch Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI). Konventionelle IVF besteht aus der Kultivierung der Eizellen mit einer gewissen Anzahl Spermien – ca. 100,000 sp/ml. Bei ICSI verwendet man nur einen einzelnen, speziell ausgewählten Samen, der direkt in das Zytoplasma der reifen Eizelle eingespritzt wird.

Konventionelle IVF Befruchtungen wurde immer zuerst verwendet, wenn ein Paar unfruchtbar ist, aber kein männlichen Faktor vorliegt. Die Verwendung von ICSI hat sich in allen Behandlungsabläufen dramatisch vermehrt, da es bei der Vermeidung der erfolglosen Befruchtung aus unbekannten Gründen hilft. Heute nutzen wir ICSI in allen Fällen.


Antworten von Dr Babula

Dr Oksana Babula, Clinic EGV, Lettland

Unfruchtbarkeit kann vom weiblichen oder männlichen Faktor ausgelöst werden. Meistens sehen wir, dass es an beiden liegt. Unfruchtbarkeit mit männlichem Faktor kann z.B. Probleme mit dem Sperma bedeuten, z.B. geringe Beweglichkeit oder DNA Fragmentierung. Unfruchtbarkeit mit weiblichem Faktor kann noch viel mehr Gründe haben, wie z.B. die Eizellqualität ist auf Grund des Alters schlecht, vererbte Probleme, und noch andere.

In beiden Fällen kann IVF und ICSI helfen. Aber was ist der Unterschied? Bei IVF erlauben wir dem Sperma die Eizelle natürlich zu befruchten, während beim ICSI Eingriff der/die Embryologe/in ein einzelnes Sperma auswählt und direkt in die Eizelle einspritzt. Diese Option wird bei Frauen mit fortgeschrittenem Alter empfohlen, selbst wenn die Samenqualität perfekt ist. Bei ICSI wird der/die Embryologe/in eine Untersuchung durchführen, um den bestmöglichsten Samen auszuwählen. ICSI ist dann eine Befruchtungsmethode, die allen Patienten ein qualitativ gutes Embryo ermöglicht.


Antworten von Dr Spies

Dr Katharina Spies, IVF-Spain (früher ProcreaTec), Spanien

Am Tag der Eizellgewinnung können wir die Eizellen durch konventionelle IVF oder ICSI befruchten. Der Unterschied in der Befruchtung hängt von der Eizellqualität und dem Sperma ab – im Moment, bevorzugen der/die Embryologe/in die ICSI Methode. In manchen Fällen ist ICSI die einzigste Methode, die angewendet werden sollte, z.B. bei defekte Samen, wie Oligo-, Asteno-, Teratozoospermien oder die Kombination von all dessen.
Hier sollte immer ICSI angewendet werden, weil die veränderte Samenqualität einen großen Einfluß auf den Befruchtungsablauf hat. In manchen Fällen, sollte eine weitere Technik für die Spermienauswahl, wie z.B. der Fertile Chip ausprobiert werden, bevor man zu ICSI übergeht.
Eine weitere Indikation für ICSI ist, wenn das Sperma durch testikuläre Aspiration oder Biopsie gewonnen wurde, oder wenn gefrorenes Sperma benutzt wird. Wenn man hochgeschätztes oder teures Sperma nutzt, wollen wir das Risiko der erfolglosen Befruchtung vermeiden.

Und was wenn die Samenqualität gut ist? Wenn eine normale ovarielle Reserve vorhanden ist, es keine Behandlungen in der Vergangenheit gibt, die auf ein Befruchtungsproblem hinweisen, oder wenn das Paar eine konventionelle IVF wünscht, dann können wir diesen Wunsch erfüllen. Der Vorteil der konventionellen IVF ist erstens einfacher und zweitens günstiger und die Befruchtung findet mehr oder weniger „natürlicher“ statt.

Bei Patientinnen mit geringer ovarieller Reserve oder hochgeschätzten Eizellen (z.B. bei Eizellspende), empfehlen wir immer ICSI. Falls sich Patientinnen für die PGT-A Diagnose der Embryonen entscheiden, würden wir auch ICSI empfehlen. Das gilt auch für gefrorene Eizellzyklen. Zuletzt empfehlen wir immer ICSI anstatt konventioneller IVF wenn wir glauben, dass die vorigen Zyklen wegen Befruchtungsversagen erfolglos blieben.

Zusammenfassend ist der männliche Faktor eine klare Indikation für ICSI. Außerdem wäre es empfohlen wenn das Risiko des Befruchtungsversagen vorliegt oder wenn man die höchste Befruchtungsquote garantieren möchte. In der Praxis verwenden fast alle Paare ICSI. Sehr wenige Patienten nutzen ausschließlich konventionelle IVF, oder eine Kombination aus konventioneller IVF und ICSI.

Über den Autor:
Aleksander Wiecki

Aleksander Wiecki

Aleksander ist ein spezialisierter Marketingprofi, Manager für Patientenerfahrungen und Verfechter der Transparenz und Wahrheit der IVF-Behandlung. Er verfügt über fundiertes Fachwissen und Hintergrundwissen in der IVF-Branche, einschließlich IVF-Kliniken, Genetic Laboratories und IVF-Patienten. Aleksander ist der festen Überzeugung, dass zwischen IVF-Patienten und IVF-Kliniken eine Lücke besteht. Es ist diese Lücke, in der Patienten auf die häufigsten Fallen der IVF-Behandlung hereinfallen könnten. Deshalb brauchen Patienten Hilfe und Unterstützung, die sie nicht unbedingt von Kinderwunschkliniken erhalten. Die Unterstützung, die aus einer objektiven, vertrauenswürdigen und zuverlässigen Quelle kommt. Aleksander ist regelmäßiger Gast bei ESHRE-Jahrestreffen, der Fertility Show in London, dem Fertility Forum, dem IMTJ - Medical Travel Summit sowie Fruchtbarkeitsausstellungen und Konferenzen auf der ganzen Welt.
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